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Hayn Grünlandexperiment

Der Versuch soll einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung sämtlicher naturschutzfachlicher Planungen im Bereich des Wirtschaftsgrünlandes liefern. Bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse sollen vertieft und Wissenslücken geschlossen werden. Die Ergebnisse des Vorhabens werden somit für den LRT 6510 zu einer auf wissenschaftlicher Grundlage basierenden, zielgerichteten landesweit anwendbaren Maßnahmenableitung für Verordnungen und Managementpläne sowie Pflege- und Entwicklungspläne führen. Außerdem sollen die Ergebnisse des Projektes eine zukünftige Weiterentwicklung der Förderrichtlinien (RL Natura 2000-Ausgleich für die Landwirtschaft, RL Freiwillige Naturschutzleistungen, Naturschutz-RL) des Landes Sachsen-Anhalt ermöglichen.

Weiterhin soll das Projekt dazu dienen, Flächennutzern zu verdeutlichen, mit welchen Einschränkungen sie bei Maßnahmen, die der Wiederherstellung bzw. dem Erhalt eines günstigen Erhaltungszustandes dienen, zu rechnen haben und bis zu welchem Grad Restriktionen ökonomisch tragbar sind. Damit liefern die Ergebnisse des Projektes wichtige Argumentationshilfen bei der Umsetzung der Natura 2000-Richtlinie in Sachsen-Anhalt.

Projektschwerpunkte

Untersuchung des Einflusses von Managementfaktoren auf den Erhaltungszustand von Grünlandgesellschaften des LRT 6510 (submontane Frischwiese im Südharz)

Projektgebiet

Hayn

Weitere Projektdetails

  • Flächencharakteristik
    Höhe: ca. 440 m NN pH-Wert: 5,28 (± 0,19)
    Jahresniederschlag*: 742 mm Phosphor: 5,04 (± 1,38) (mg/100 g Boden)
    Jahrestemperatur**: 7,3 ˚C Kalium: 16,50 (± 3,95) (mg/100 g Boden)

    * Langjähriges Mittel 1992-2021. Die Jahre 2018-2022 waren durch deutlich unterdurchschnittliche Werte zwischen 541 und 696 mm charakterisiert.
    ** Langjähriges Mittel 1992-2021.

    Im Jahr 2017 wurde in der Versuchsstation Hayn der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau der LRT 6510 (Magere Flachland-Mähwiese) in submontaner und mesotropher Ausprägung auf flachgründigem Standort angesät. Die Saatmischung setzte sich aus 12 Gräsern, 27 Kräutern und 5 Leguminosen zusammen. Die Saatstärke der Zielarten betrug 1,9 g/m².  Zusätzlich wurde als Ammensaat eine Mischung aus Buchweizen (Fagopyrum esculentum), Leindotter (Camelina microcarpa) und Kresse (Lepidium sativum) mit einer Saatstärke von 2 g/m² zugesät. Dadurch konnte eine schnelle Bedeckung des Bodens erreicht und verbesserte Keimbedingungen für die Zielarten geschaffen werden. Die Samen stammen ausschließlich aus regionaler Vermehrung.

    Nach der Vorbereitung eines feinen Saatbetts durch Pflügen, Eggen und Planieren wurde die mit Maisschrot gemischte Samenmischung oberflächig aufgestreut (nicht eingearbeitet!) und angewalzt. Die Einsaat erfolgte erst sehr spät Ende Juni und damit nicht zum optimalen Zeitpunkt. Folgende mehrwöchige Regenfälle und die Schutzfunktion der Ammensaat führten jedoch zum erfolgreichen Auflaufen. Im Rahmen der Entwicklungspflege wurde der Bestand 8 Wochen nach der Einsaat in einer Höhe von ca. 15-20 cm geschröpft und nach 12 Wochen gemäht (Schnitthöhe ca. 10 cm). Im Folgejahr präsentierte sich die Versuchsfläche mit einer geschlossenen Vegetationsdecke sowie einem reichen Blühaspekt.

    Mahd des eingesäten Vegetationsbestandes am 20.09.2017 (Foto: S. Dullau). Die Biomasse wurde anschließend aufgenommen, von der Fläche entfernt und kompostiert.
    Schröpfschnitt am 21.08.2017 (Foto: S. Dullau). Die schnell hochgewachsenen Kräuter der Ammensaat wurden vor der Samenreife geschröpft. Die noch kleinen Jungpflanzen der Zielarten wurden dadurch nicht geschädigt. Die Biomasse verblieb auf der Fläche.

    Juvenile Individuen von Achillea millefolium,
    Centaurea jacea,
    Leucanthemum vulgare
    und Knautia arvensis sechs Wochen nach der Einsaat (08.08.2017, Fotos: S. Dullau)

    Blühaspekt im Jahr nach der Ansaat mit Leucanthemum vulgare, Knautia arvensis, Trifolium pratense und Scorzoneroides autumnalis (30.05.2018, Foto: S. Dullau).
    Blühaspekt im Jahr nach der Ansaat mit Leucanthemum vulgare, Knautia arvensis, Trifolium pratense und Scorzoneroides autumnalis (30.05.2018, Foto: S. Dullau).

    Der Bewirtschaftungsversuch untersucht seit 2018 in einem vollrandomisierten Versuchsdesign praxisrelevante Kombinationen der Mahd und Düngung auf einem produktiven Grünlandstandort mit Nutzungsinteresse (unter Berücksichtigung der Grünlandprämie, naturschutzfachlicher Förderung durch Agrarumweltprogramme und praxisüblicher Nutzung). Bei unterschiedlich hohen Düngergaben (N, P, K) werden folgende Nutzungsvarianten erprobt:

    • Einschürige Mahd
    • Zweischürige Mahd
    • Dreischürige Mahd
    • Mulchen im Sommer (Juli)
    • Mulchen im Herbst (Oktober)
    • Zweimaliges Mulchen
    Variantenumsetzung Anfang Juni 2018: Mahd (Foto: S. Dullau)
    Variantenumsetzung Anfang Juni 2018: Parzellen (Foto: S. Dullau)
    Variantenumsetzung Anfang Juni 2018: Mulchen (Foto: S. Dullau)
    Zusammensetzung der Saatmischung zur Etablierung einer Frischwiese (submontane Ausprägung des LRT 6510) in Hayn

Neuigkeiten vom Projekt auf Instagram

  • offenlandinfo
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    Wir gratulieren Sandra Dullau zum Doktortitel! Auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen Naturschutz und Landwirtschaft beschäftigte sie sich engagiert und intensiv mit der Renaturierung und dem Management von Natura 2000-Grünland. Als Höhepunkt ihrer bisherigen Forschungsarbeit fand gestern die Verteidigung der Dissertation statt, die sie mit Auszeichnung bestand. @Sandra, Wir sind stolz auf dich und feiern diesen Meilenstein in deinem Leben! Wir freuen uns, dass du unsere Arbeitsgruppe weiterhin bereicherst und sind gespannt auf kommende Projekte im Spannungsfeld zwischen Biodiversität, erneuerbarer Energien und Landwirtschaft.